Projekt Netzwerk Hospizkultur – stationäre Pflegeeinrichtungen im Landkreis Emsland

Bild: Wollen Betroffenen eine kompetente Sterbe- und Trauerbegleitung zukommen lassen: Die Akteure der Hospiz-Hilfe Meppen, dem Hospizverein Lingen, dem Marienhaus Meppen, dem Stephanus-Haus in Lingen rund um Landrat Reinhard Winter (3. V. l.) beim Auftak
Bild: Wollen Betroffenen eine kompetente Sterbe- und Trauerbegleitung zukommen lassen: Die Akteure der Hospiz-Hilfe Meppen, dem Hospizverein Lingen, dem Marienhaus Meppen, dem Stephanus-Haus in Lingen rund um Landrat Reinhard Winter (3. V. l.) beim Auftak

Stationäre Pflegeeinrichtungen starten Projekt zur Sterbe- und Trauerbegleitung.

 

Meppen. Frisch gestartet ist das Projekt „Netzwerk Hospizkultur – stationäre Pflegeeinrichtungen im Landkreis Emsland“. Seit Anfang Dezember haben die Hospiz-Vereine Lingen und Meppen diese Initiative ins Leben gerufen, die Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen und ihren Angehörigen eine kompetente Sterbe- und Trauerbegleitung zukommen lassen möchte. Das Projekt umfasst die beiden ausgewählten stationären Pflegeeinrichtungen Stephanushaus in Lingen und Marienhaus in Meppen. Es ist zunächst bis 2019 angelegt.

 

Zur Auftaktveranstaltung fanden sich Landrat Reinhard Winter, Dr. Walter Höltermann, 2. Vorsitzender des Hospizvereins Lingen, Heiko Harms-Ensing, Heimleiter des Stephanus-Haus, Dr. Carmen Breuckmann-Giertz, Vorsitzende Hospiz-Hilfe Meppen, Gerd Sabelhaus, Leiter Marienhaus, im Meppener Kreishaus ein, und Johanna Sievering, Fachbereichsleiterin Gesundheit, um das Projekt vorzustellen.

 

„Da Menschen in Pflegeeinrichtungen oftmals vielfältig erkrankt sind und psychisch eingeschränkt sein können, sind sie auf hochprofessionelle Unterstützung angewiesen. Darum ist die hohe Kompetenz aller Beteiligten in diesem Bereich so zentral. Eine Hospizkultur beugt außerdem einer Ausgrenzung schwerstkranker und sterbender Menschen vor“, betont Winter.

 

Von einer hauptamtlichen Koordinierungsstelle, die bei den Hospizvereinen in Lingen und Meppen eingerichtet wurde, werden in Zusammenarbeit mit den stationären Pflegeeinrichtungen und den Hospizdiensten nunmehr einheitliche Standards auf der Grundlage von Mitarbeiterbefragungen entwickelt. Nach diesem Konzept sollen durchweg alle Mitarbeiter im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer geschult werden. „So werden ihnen ihre Ängste, Sprachlosigkeit sowie Gefühle der Ohnmacht oder Überforderung genommen und sie können ruhig, anteilnehmend aber durchaus handlungsfähig die notwendige Beratung und Begleitung leisten“, erläutert Winter.

 

„Dem Team des Marienhauses ist es ein großes Anliegen, in Kooperation mit der Hospiz-Hilfe Meppen, mit denen wir auch in der Vergangenheit immer wieder gute Begleitungen für einzelne Bewohner gestalten konnten, die Zeit des Sterbens als Lebenszeit bis zum Schluss im Marienhaus zu ermöglichen. Alle Beteiligten brauchen dafür eine gute Wissensbasis, um nach den Maßstäben der Gründerinnen unseres Hauses, den Missionsschwestern im Heiligen Mariens, zu handeln. Sie haben in der Sterbebegleitung schon immer eine wesentliche Aufgabe der Sorge um den alternden Menschen gesehen. Diesen Geist wollen wir mit dem Team und der fachlichen Unterstützung der Hospiz-Hilfe Meppen e.V. weiter ausbauen, um in unserem Haus der Hospizkultur ein deutliches Gesicht zu geben“, sagt Sabelhaus.

 

Auch das Stephanus-Haus betont: „Wir möchten unseren Bewohnern die Möglichkeit bieten, sie und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase professionell und wertschätzend beim Sterbeprozess zu begleiten, offen auf ihre Wünsche einzugehen und ihnen einen würdevollen Tod zu ermöglichen. Um diese Zielsetzung erreichen zu können, ist es für uns wesentlich, verbindliche Herangehensweisen für alle an der Begleitung und Versorgung beteiligten Personen zu schaffen. Uns ist es wichtig, die bereits jetzt sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Lingener Hospiz e.V. nachhaltig auszubauen“, so Harms-Ensing.

 

Mit dem Netzwerk Hospizkultur sollen u. a. die An- und Zugehörigen in der letzten Lebensphase eines Menschen stärker einbezogen werden und es soll ein spezialisiertes Beratungs- und Hilfsangebot entwickelt werden, mit dem Mitarbeiter der stationären Pflegeeinrichtungen die Bewohner am Lebensende begleiten. Darüber hinaus sollen ehrenamtliche Hospizhelfer in den Pflegeeinrichtungen gezielt und vermehrt in Anspruch genommen werden können. Zudem sollen die Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen durch ergänzende hospizliche Unterstützung eine psychische Entlastung erfahren und Krankhausaufenthalte am Lebensende deutlich gesenkt werden können.

 

Hintergrund des Projekts ist das neue Hospiz- und Palliativgesetz. Dies sieht vor, dass jedem Bewohner einer Pflegeeinrichtung eine individuelle Versorgungsplanung in der letzten Lebensphase angeboten wird. Das Projekt wird von der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand in Norddeutschland“ mit 25.000 Euro gefördert. Der Landkreis Emsland unterstützt im Rahmen der Gesundheitsregion Emsland das Netzwerk mit 20.000 Euro. Im Anschluss an das Projekt, soll die Initiative auf alle stationären Pflegeeinrichtungen im Landkreis Emsland übertragen werden. „Als Anreiz hierfür denken wir über die Vergabe einer Auszeichnung nach“, sagt Winter.

 

 

FOCUS NWMI-OFF/Landkreis Emsland


Hospiz-Kooperationen in Lingen unterschrieben

Foto: Johannes Franke; (von links nach rechts: 1. Vorsitzende des Lingener Hospiz e.V. Dr. Birgit Stoßberg, Geschäftsführerin Kinderhospiz Löwenherz Fanny Lanfermann)
Foto: Johannes Franke; (von links nach rechts: 1. Vorsitzende des Lingener Hospiz e.V. Dr. Birgit Stoßberg, Geschäftsführerin Kinderhospiz Löwenherz Fanny Lanfermann)

 

Text: Johannes Franke

 

Lingen. In den Räumen des Lingener Hospizvereins hat das Kinderhospiz Löwenherz aus Syke mit sieben Hospizvereinen aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim und dem Osnabrücker Land Kooperationsvereinbarungen unterschrieben. 

 

Es plant im Jahr 2018 die Eröffnung eines Kinderhospiz-Stützpunktes in Lingen.

 „Es ist eine wunderbare Situation, alle Hospizvereine aus dem südlichen und mittleren Niedersachsen begrüßen zu dürfen“, freute sich Birgit Stoßberg, Erste Vorsitzende des Lingener Hospizvereins. Es sei das gemeinsame Anliegen, den Kooperationsvertrag von verschiedenen Ambulanzen der Hospizvereine mit dem Kinderhospiz Löwenherz abzuschließen. In einem Netzwerk wollen die Hospiz-Vereine aus Lingen, Ankum, Damme, Nordhorn, Ostercappeln, Salzbergen und Sögel mit Syke das Miteinander und die Betreuung für Kinder, Jugendliche und die Familien verbessern und weiter ausbauen.

 

Stukturen optimieren

Der Stützpunkt in Lingen verfolgt das Ziel, „die Strukturen des bestehenden Kooperationsprojektes zu optimieren und die Kinderhospizarbeit im Emsland zu intensivieren“, heißt es in der Vereinbarung. Ein wesentlicher Aspekt sei es, mit bereits gewachsenen Strukturen eng zusammenzuarbeiten und gemeinsam das Angebot zu vergrößern. Schwerpunkte sind die kinderhospizliche Begleitung, Unterstützung und Begleitung von Familien mit einem lebensverkürzend oder lebensbedrohlich erkrankten Kind oder Jugendlichen.

 

Kinderhospizarbeit öffentlicher machen

„Dem Lingener Hospiz angegliedert sind die Bereiche der Sterbebegleitung von Erwachsenen, der Trauerbegleitung, der Kindertrauerbegleitung, die Begleitung von Kindern, deren Eltern schwerstkrank der sterbend sind, Hospiz macht Schule und die Begleitung lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen in Kooperation mit Löwenherz“, heißt es im Kooperationsvertrag. Ziel von Löwenherz ist es, die Kinderhospizarbeit in Niedersachsen flächendeckend auszubauen, zu sichern und im qualitativen Sinne stetig weiter auszubauen. Beide Vereine sehen es als Aufgabe an, „die Kinderhospizarbeit sowie die Themen Abschied, Tod und Trauer in der Öffentlichkeit zu thematisieren“.

 

„Gemeinsamkeit muss sich weiterentwickeln“

Zu den Kooperationsvereinbarungen betonte Fanny Lanfermann aus Syke: „Wir freuen uns darauf, heute feierlich die Vereinbarungen zu unterschreiben.“ Gemeinsamkeit muss sich weiterentwickeln, und so wurde der Start symbolisch mit Eigenschaften eines wachsenden Baumes verglichen. Wurzeln, Standfestigkeit, Stärke, Stabilität, Verbindung zwischen Himmel und Erde seien Merkmale, die gut zur neuen Zusammenarbeit passen würden. „Gemeinsam wollen wir uns hier in der Region für die Kinderhospizarbeit stark machen, sie verwurzeln, wachsen lassen“, bekräftigte Kirsten Höfer aus der Leitung Ambulante Kinderhospizarbeit Syke.

 

 

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, 01.02.2018